Was gibt's Neues?


Translator Meets Author

Auf ihrer Deutschland-Tournee machte die Autorin der "After"-Serie, Anna Todd, am 1. Juni 2016 in der Mayerschen Buchhandlung in Köln Station.

 

Schauspieler Bastian Hagen - dem Protagonisten Hardin durchaus ähnlich - las die deutschen Textpassagen aus dem aktuellen Roman "Before Us". Die Moderation hatte Theresa Feldhaus.

 

Die deutsch-englische Lesung war ausverkauft, und die überwiegend jungen und weiblichen Fans von Anna Todd nutzten die Gelegenheit, ihre zahlreichen Fragen an die Frau zu bringen.

 

Bei der folgenden Signierstunde hat Anna sich für jede Leserin viel Zeit genommen,  geduldig weitere Fragen beantwortet und Bücher signiert. 

 

Als Mitübersetzerin von "Before Us" und "Nothing More" (erscheint im September) habe mich sehr gefreut, dieser erfolgreichen und publikumsnahen Autorin zu begegnen! 

Copyright: Dr. Daniela Ortmann


"Annette Hahn - Von Goldfischen, Hausgeburten und Autisten"

"Wieder ein fulminanter Abend im Wunderkasten! Annette Hahn erzählte spritzig und spannend aus der Übersetzerwerkstatt. Natürlich durften Beispiele und Passagen aus "Der Rosie-Effekt" und "Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel" nicht fehlen, spannend waren aber auch die Anekdoten und Erfahrungen aus 25 Jahren Tätigkeit als Übersetzerin. Welche Bandbreite von Titeln vom Jugendbuch über Romane bis Ratgebern!" (Kirsten Lambeck, Inhaberin des "Wunderkastens")

14.4.2016

Copyright: Holger Voss


"Annette Hahn - Von Goldfischen, Hausgeburten und Autisten"

"Annette Hahn übersetzt ebenso akribisch wie unterhaltsam aus dem Englischen. Bekannt ist z.B. Graeme Simsions "Das Rosie-Projekt", dessen zweiter Teil ("Der Rosie-Effekt") gerade erschienen ist. Aber auch "Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel" ist ein urkomisches und ziemlich rasantes Lesevergnügen. Wir freuen uns auf einen garantiert wieder großartigen Abend mit Annette Hahn und Moderatorin Anja Mehrmann." (Kirsten Lambeck, "Wunderkasten")

 

Dies ist die zweite Lesung aus unserer Lesereihe, zu der wir, die Münsterländer Literaturübersetzer, herzlich einladen!

 

Ort: Buchhandlung "Der Wunderkasten", Rüschhausweg 6, 48161 Münster

Zeit: Dienstag, 12. April 2016, 20 Uhr

Eintritt 7€


"Bettgeschichten" - Nachlese

Was ist schlimmer als eine langweilige Lesung?... Eben. Und da ich den Reigen unserer Übersetzerlesungen eröffnen darf, wähle ich ein Thema, mit dem ich in meinem Berufsalltag immer wieder zu tun habe, zuletzt bei Anna Todds "Before Us": Erotik.

 

Ein prickelndes Thema, das prickelnde Atmosphäre verspricht, gebannte Aufmerksamkeit. Einschlafen  und womöglich auch noch leise schnarchen wird vermutlich niemand bei meiner ersten öffentlichen Lesung.

 

Ich sag's euch gleich: Die Rechnung ist aufgegangen.

 

Obwohl Münster in Westfalen eine katholische Beamtenstadt ist - ein Schelm, wer Böses dabei denkt! - und sich der Besucherandrang in überschaubaren, aber nicht allzu engen Grenzen hält.

 

Das kleine, feine Publikum, teilweise schon fortgeschrittenen Alters, lauscht den Textbeispielen aus meinen Übersetzungen. Heiterkeit macht sich breit, als ich vorlese, wie ein Groschenromanheld seine Auserwählte beglückt, "teasing her nipples into stiff attention." Dieses Beispiel beantwortet die Frage, ob man sich beim Übersetzen streng an den Text  halten muss, recht eindeutig: Nein. Denn wenn ich in diesem Fall wörtlich übersetzt hätte, hätten die LeserInnen vor ihrem geistigen Auge vermutlich einen Unteroffizier gesehen, der einen gemeinen Soldaten zusammenstaucht ... Und darum "reizt" der Held in der Übersetzung die "Brustspitzen" der Heldin, bis sie sich "aufrichten".

 

Die Atmosphäre im Raum ist inzwischen so locker, dass nun viele Fragen und Beiträge aus dem Publikum kommen. Eine Dame erzählt, wie die "Geschichte der O." sie selbst als junge Frau angeregt habe. Auch das allgemeine Handwerk und der Berufsalltag einer Literaturübersetzerin stoßen auf großes Interesse, und vor Freude und Aufregung habe ich die ganze Zeit rote Wangen ... zumindest gefühlt, denn angeblich hat man mir das überhaupt nicht angesehen.

 

Von Langeweile konnte also keine Rede sein bei diesen "Bettgeschichten".

 

Und jetzt freue ich mich auf die Veranstaltungen meiner Kolleginnen und Kollegen in demselben wunderschönen "Wunderkasten". Am 12. April erzählt uns Annette Hahn, was "Goldfische, Hausgeburten und Autisten" miteinander zu tun haben.

 

Kommet zuhauf!

 

10.3.2016


"Bettgeschichten"

"Ein selten gelungener Abend gestern - und eine wunderbare Einweihung des Wunderkastens als Veranstaltungsraum. Anja Mehrmann erzählte aus der Übersetzerinnenwerkstatt, gab Beispiele aus der Übersetzung von Anna Todds neustem Werk "Before us" und anderen Arbeiten. Besonders unterhaltsam: die bildhafte Sprache mancher englischer Unterhaltungsromane gerade in erotischen Angelegenheiten." (Kirsten Lambeck, "Wunderkasten"), 10.3.2016

Copyright: Holger Voss


ÜberSetzen - Lesereihe des Münsterländer Literaturübersetzer-Stammtisches

 

In Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Der Wunderkasten in Münster-Gievenbeck lesen wir aus unseren Büchern und plaudern über Themen rund ums Literaturübersetzen. Am Mittwoch, 9.3.2016 mache ich den Anfang und erzähle(, wie ich)

 

Bettgeschichten

 

(übersetze):

 

"Die erotischen Romane – nicht nur - von Anna Todd stürmen die Bestsellerlisten. Anja Mehrmann aus Osnabrück und Sabine Schilasky aus Hamburg stecken hinter der deutschen Fassung des neusten Bandes der Reihe, „Before Us“, der am 8.3. erscheint.
Anja Mehrmann erzählt von ihrer Arbeit und illustriert mit Beispielen aus der Übersetzerwerkstatt, dass Übersetzen nicht nur das wörtliche Übertragen von Text von einer Sprache in die andere ist: Wie übersetzt man kulturelle Unterschiede, gerade in der Erotik? Und warum ist dieses Genre im Augenblick so populär? Wie ist der Weg vom Original zur veröffentlichten Übersetzung?"

 

Moderation: Annette Hahn, Literaturübersetzerin (u. a. Graeme Simsion, "Das Rosi-Projekt")

 

 

 


9. Bieler Gespräche am 23./24. Januar 2016

Copyright: Daniela Yildiz
Copyright: Daniela Yildiz

 

www.bielergespraeche.ch

 

 

Aus Norddeutschland trete ich die Reise nach Biel an, eine Stadt in der Schweiz, in der schon die Straßenschilder verraten, dass hier zwei Sprachen gesprochen werden. Ich habe Wünsche im Gepäck. Ich möchte mich mit KollegInnen austauschen, vor allem aber freue ich mich darauf, innezuhalten in der Routine des produktiven, flüssigen, intuitiven Übersetzens. Langsames Arbeiten ist im Alltag nahezu unmöglich. Klingt gut? Okay, lass es erstmal stehen.

 

Kontrastprogramm. Zwei Tage lang nehme ich die Wörter einzeln in die Hand, drehe sie hin und her wie Puzzleteile, überprüfe, ob sie links und rechts und oben und unten passen und wie sie sich auf das Gesamtbild des Textes auswirken. Ach ja, und ich möchte mir selbst etwas ausdenken und es zu Papier bringen.

 

Mit klopfendem Herzen begebe ich mich am Samstagmorgen zum Schweizerischen Literaturinstitut, einer schmucken Jugendstilvilla in einem weitläufigen Garten mit gepflegten Kieswegen. Es ist warm in dem Haus, und warm und freundlich ist auch der Empfang in dem alten Salon im Erdgeschoss.

 

Mitglieder der Vorbereitungsgruppe erklären auf Französisch, Deutsch und Italienisch den Ablauf der Veranstaltung, und dann geht es los und in die Vollen. Wir verteilen uns auf drei Seminarräume.

 

Das Gedicht von Marina Skalova habe ich nicht übersetzt. Der Text erzählt von sehr persönlichen Empfindungen - da mochte ich nicht eingreifen, zumal eine deutsche Version der Autorin gleich neben dem französischen Gedicht steht. Also nehme ich als Gast an dem Seminar teil und höre, dass der herzensnahe Charakter des Textes und die zweisprachige Fassung auch andere haben zögern lassen. Manchem Übersetzer aber geben genau diese Merkmale Gelegenheit, seine Worte sehr frei zu wählen. Vorschlägen auf der lexikalischen Ebene – die Angst „zittert“ am Fenster, anstatt zu „flackern“ wie im Original – folgt eine umfassende Interpretation, quasi eine Psychoanalyse des Gedichts. Aus der „Angst“ wird ein konkretes „Gefahrgefühl“, das Ringen um Genauigkeit schlägt sich in längeren Versen und Neologismen nieder. Ein anderer Teilnehmer entscheidet sich für harte Viersilber und Imperative. So wird aus der Psychoanalyse die Psychotherapie des Textes, so spuckt der Übersetzer kathartisch aus, was die Autorin nur andeutet: „silence blanc carrelé//les mots raturés/les chaises à la renverse“ wird zu: „Blanches catelles/Ne parlez pas//Des mots biffés/Des chaises à terre“. Jetzt bewegen wir uns schon im Grenzbereich zwischen Übersetzen und Erschaffen.

 

Bei der nächsten Autorin gerät die Übersetzung dann vollends in die Krise. Ist bei Skalova das intime Empfinden der Taktgeber, so übernimmt in Isabelle Sbrissas Gedicht „Les Baisers de la fillette et du don“ die Sprache selbst das Regiment. Homonymien verweben den Text und produzieren den Sinn – der beim Übersetzen eine untergeordnete Rolle nicht nur spielen darf, sondern muss, weil das „Konstruktionsprinzip“ im Deutschen nicht funktioniert: „La fillette tient un parapluie fermé. Elle frappe le bout métallique contre la dalle cimentée du trottoir. Toc toc toc … les sociétés archaïques ne reposaient nullement sur … le marché ou le troc …“ (Dt.: toc toc toc – klack klack klack/le troc – Tauschhandel) Der Übersetzer ist zur Freiheit quasi gezwungen. Was er nachbildet, ist weniger der Inhalt des Textes, es sind die Dichtheit der formal-inhaltlichen Bezüge, der Klang, die doppelten Bedeutungen und der Schreibprozess selbst.

 

Entspannung dann beim „Kollektiven Schreiben“ am Spätnachmittag. Skurrile, überraschende, traurige und lustige Geschichten entstehen und sind abends auf der Lesung im Centre Pasquart als Collage zu sehen.

 

Genug Abenteuer und Anregung für heute, die Speicher sind voll. Ich gehe früh schlafen.

 

In ihren Romanen passiere nicht viel, sagt Anne Brécart am Sonntagmorgen. Äußerlich. Das Innenleben der Protagonistin in „La femme provisoire“ hingegen erkundet sie sehr genau und findet für deren Gefühlslage anschauliche Bilder in der Natur. Und da ist es wieder, das Ringen um Worte. „Je me souviens de cet engourdissement qui m’avait saisie …“ Lässt sich das mit Taubheit übersetzen, oder ist der körperliche Bezug (taube Ohren) zu stark? Und denkt ihr bei Betäubung nicht auch eher an die Narkose vor einer Operation? Freude, als sich ein Rhythmus im Deutschen genau nachbilden lässt – „… la peau d’une énorme bête qui dort et qui rêve“/“… die Haut eines riesigen Tieres, das schläft und träumt.“ Welche Auswirkungen hat der Gebrauch des passé composé anstelle des passé simple? Plustert jemand sich auf wie eine Henne oder wie ein Huhn, das ein Ei gelegt hat? Idiomatisch korrekt müssten wir uns für das Huhn entscheiden, aber später im Text legt die Aufgeplusterte ein mütterlich-fürsorgliches Verhalten an den Tag, das eher für die Henne spricht. Echt tierisch, der Text. Puh.

 

Angeregte Diskussionen also, Ideenfülle und Fragen über Fragen. Sie stellen zu können, noch dazu den Autorinnen selbst und in so angenehm offener Atmosphäre - das ist im Grunde wichtiger als jede konkrete Antwort. Denn die Fragen eröffnen dem Denken und der Fantasie neue Räume. Für diese Gelegenheit danke ich den Veranstaltern und allen anderen Beteiligten von Herzen. Gerne auf Wiedersehen!